Domorganist bangt um Herzstück: «Auch wenn es hier brennen würde, wäre das die Apokalypse»

Den St. Galler Domorganisten Willibald Guggenmos berührt der Brand in Notre-Dame sichtlich. Er hat dort schon ein Konzert gegeben und ist mit einem der drei Notre-Dame-Organisten befreundet.

Auszug aus «St.Galler Tagblatt» – 16. April 2019, 19:45 Uhr
Martin Preisser, martin.preisser@tagblatt.ch
www.tagblatt.ch

«Solch eine Katastrophe trifft einen als Organisten mitten ins Herz», sagt der St. Galler Domorganist Willibald Guggenmos. Er hat 2016 in Paris an der Grossen Orgel von Notre-Dame ein Konzert gegeben, Höhepunkt im Leben jedes Orgelvirtuosen. Bei den Bildern der brennenden Kathedrale habe er sofort an den knochentrockenen Holzdachstuhl des St. Galler Doms denken müssen. «Wenn es hier brennen würde, wäre das die Apokalypse», wagt Guggenmos es sich kaum auszumalen.

Die Grosse Orgel von Notre-Dame hat den Brand überlebt, jedenfalls äusserlich. «Wie es innen aussieht, kann momentan noch keiner beurteilen», sagt der Domorganist. Die Orgel von Notre-Dame ist der Platz der Plätze für jeden Orgelmeister. Und Notre-Dame war der Platz der Plätze für den Orgelbauer Aristide Cavaillé-Coll, der Mitte des 19. Jahrhunderts die Chance nutzte, mit all seinem Herzblut die Orgel, deren Geschichte bis ins 15. Jahrhundert zurückreicht, zu einem Repräsentationsinstrument allererster Güte auszubauen.

Notre Dame, Photo by Ashley Elena

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